Rede zum Volkstrauertag 2007
Heute ist Volkstrauertag, so wird dieser Tag genannt. Irgendein grauer Sonntag im November von vielen - oder ein besonderer Tag? Kann man auf Kommando, so wie es der Terminkalender befiehlt, Trauer tragen, ich denke - nein.
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Aber der Volkstrauertag hat seine Berechtigung, ist notwendig und sinnvoll. Seit 1924 veranstaltet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge jährlich die zentrale Gedenkfeier. Grund für diesen Feiertag war es, das Andenken an die Millionen von Kriegstoten des 1. Weltkrieges zu bewahren. Von 1934 bis 1945 vereinnahmten die Nationalsozialisten den Tag als „Heldengedenktag". An der ursprünglichen Sinngebung des Volkstrauertages vermochte dies nur wenig zu ändern. Seit 1952 begehen wir in Deutschland den Volktrauertag als Gedenktag für die Opfer beider Weltkriege aber auch für die Opfer von Willkür, Gewalt, Unmenschlichkeit, Terror.
Viele junge Menschen fragen sich, was habe ich damit zu tun, das ist schon so lange her der Krieg. Die Zahl derer, die sich noch aus eigenem Erleben an den Krieg erinnern wird immer kleiner, das ist einerseits gut so, denn es beweist, man kann auch friedlich in Europa leben. Die Gefahr, die erwächst, ist die Gefahr des Vergessens und der Verharmlosung. Kriegsspiele am Computer in den Wohn- und Kinderzimmern verniedlichen die Grausamkeit der Kriege und bergen eine hohe Gefahr in sich.
Das Anliegen des Volkstrauertages ist nicht allein vergangenheits-orientiert, sondern auch tagesaktuell. Täglich erleben wir in den Nachrichten, wie zerbrechlich der Friede in der Welt doch ist, im Irak, ob in Palästina oder Israel, in Afghanistan oder in afrikanischen Ländern. Die Art der Kriegsführung, die Behandlung von Gefangenen, praktizierte Verhörmethoden erinnern an längst überwunden geglaubte Barbarei. Mühsam erkämpfte Regeln scheinen zu bröckeln. Vor allem dort, wo Terrorismus wahllos Menschen tötet. Die Medien führen es uns täglich vor und geben uns das beklemmende Gefühl der Machtlosigkeit.
Der Friede ist auch im Kleinen keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern er braucht Menschen, die ihn stiften - ob in der Ehe, den Familien, Vereinen und Gruppen. Da sind wir nicht machtlos.
Die Impulse zu einem friedlichen engagierten Miteinander müssen vom Herzen und vom Kopf her kommen. Wir sind alle keine Weltverbesserer. Wir können die Wunden dieser Welt nicht heilen, aber wir sind für diese Welt mit verantwortlich, jeder von uns ein Stückchen. Mehr Achtung, mehr Verständnis mehr Hilfsbereitschaft, mehr Verantwortung für den Mitmenschen, nicht wegschauen sondern hinschauen, das sind Bausteine einer besseren Welt, die jeder von uns mit gestalten kann.
Nur wer Frieden mit seiner eigenen kleinen Welt schließt, darf vom Frieden in der großen Welt träumen.
Diese Einstellung sollte nicht nur für den Volkstrauertag gelten, sondern für viele Tage im Jahr. Dann war auch das Schicksal der zahllosen Opfer von Krieg, Gewaltherrschaft, Vertreibung und politischer Willkür nicht vergeblich.
Wir gedenken heute in aller Stille den Opfern der Kriege. Den Kindern, Frauen und Männer aller Völker und vor allem aus unserer Gemeinde, die von dieser Grausamkeit betroffen waren und sind. Wir gedenken den Soldaten, die in den Weltkriegen starben, derer die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse, einer anderen Religion, deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde. Wir gedenken derer die in diesem Jahr Opfer von Terror geworden sind.
Die Jugend schaut in die Zukunft, sie muss sich der Vergangenheit erinnern und diese als Mahnung für den Frieden sehen.
Ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre Teilnahme an dieser Gedenkfeier. Mein besonderer Dank geht an den Gesangverein Frohsinn, der auch diesmal wieder einen würdigen Rahmen für diese Feier bildet sowie unserer Freiwilligen Feuerwehr, die wieder die Ehrenwache stellt.
Peter Frosch
Bürgermeister
