|
TZ Printausgabe vom 03.07.2008
Weintrinker danken den Steinbacher Schmieden
|
 |
 |
|
Ein Museumsmitarbeiter demonstriert in der Partnerstadt
die traditionelle Schmiedekunst. Vielleicht wird es ein
Korkenzieher. Foto: pit |
 |
135
Steinbacher reisten kürzlich zum Burgfest nach
Steinbach-Hallenberg. Ein Zeichen dafür, dass die Partnerschaft
mit der Stadt in Thüringen noch lebendig ist. TZ - Mitarbeiterin
Petra Pfeifer war dabei. Sie nutzte die Gelegenheit, sich ein
Bild von der Partnerstadt zu machen, mit der das Taunusstädtchen
seit mittlerweile 17 Jahren verschwistert ist. Ihre Eindrücke
schildert sie in einer kleinen Serie. Lesen Sie heute, welch
reiche Tradition das Handwerk dort hat.
Steinbach/Steinbach-Hallenberg.
„Das Kleineisen-Gewerbe war von alters her der
Haupternährungszweig der Steinbach-Hallenberger“, kann Veronika
Jung, Leiterin des Heimatmuseums der südthüringischen Stadt,
versichern. Und zwar „mindestens seit dem 14. Jahrhundert“, als
es in dieser Region noch Bergbau und Eisenerzgewinnung gab. „Der
Bergbau im Amt Hallenberg war wohl neben Brotterode der älteste
in der Herrschaft Schmalkalden“, heißt es in einer Broschüre des
Metallhandwerksmuseums mit dem Titel „Von Kohlbrennern,
Nagelschmieden, Schlossern und Ackerleuten im Haselgrund“.
Mit der Verhüttung
des Eisenerzes zu Roheisen ging auch die Weiterverarbeitung des
Rohmaterials in Schlosser- und Schmiedewerkstätten einher. Ihre
Entwicklung ging raschen Schrittes voran, so dass um 1578 in
Schmalkalden bereits 270 Schmiedewerkstätten in Betrieb waren.
Die Arbeitszeit ging von morgens 3 bis abends 6 Uhr. Dabei
etablierten sich drei Berufszweige: Nagelschmied, Hufschmied und
Schlosser.
Während man in
anderen Teilen Deutschlands Ende des 19. Jahrhunderts bereits
zur industriellen Fertigung vieler Produkte überging, waren 1864
im Eisen-Handwerk des Amtes Steinbach-Hallenberg noch 755
Personen in 491 Werkstattbetrieben beschäftigt. Die
Hauptproduktion beschäftigte sich mittlerweile mit Zangen- und
Frisiereisen sowie der Herstellung von Haus- und Küchengeräten;
sie hatte die bisherige Produktion von Leuchten,
Lichtputzscheren und Schlössern abgelöst. Auch die
Zigarren-Industrie konnte sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts
an Ort und Stelle etablieren.
Das älteste
eisenverarbeitende Gewerk in Steinbach-Hallenberg war jedoch die
Nagelschmiederei, die sich 1550 aus der Zunft der Hufschmiede
löste, sich mit den Flaschenschmieden vereinte und der Ende des
19. Jahrhunderts in den sieben Dörfern, die das Amt umfasste,
525 Nagelschmiedmeister mit 330 Gehilfen angehörten. Bei der
historischen Schmiede im Museum Heimathof handelt es sich um
einen originalgetreuen Nachbau, der 1999 in Fachwerk- und
Lehmbauweise errichtet wurde.
Zu
einem Alleinstellungsmerkmal der Steinbach-Hallenberger
Handwerkskunst entwickelte sich jedoch die Fertigung von
Korkenziehern, nachdem im 17. Jahrhundert die verschließbare
Flasche die Weinkaraffe abgelöst hatte. Während weltweit
angenommen wird, dass die Geschichte des Korkenziehers vor über
300 Jahren in Britannien begann, so waren es – wie die Gäste aus
dem Taunus sehen konnten – doch die Steinbach-Hallenberger, die
sich auf das Schmieden eines solchen Geräts spezialisierten:
„Andere wurden maschinell gewickelt“, weiß Historikerin Veronika
Jung. In Hallenberg habe es jedoch immer genügend Schmiede
gegeben, die über ein entsprechendes Wissen verfügten.
Noch heute wird, obwohl der
Bergbau schon lange erschöpft ist, in Südthüringen zudem die
Herstellung von Handwerkszeug großgeschrieben: „Es handelt sich
hierbei vor allem um Zargenproduktion, aber auch Haus- und
Küchengeräte“, berichtet die Museumsleiterin. Zwar sei die
Tradition noch immer spürbar, doch habe man sich mittlerweile
auch anderen Materialien als Eisen, wie zum Beispiel dem
Kunststoff, zugewandt. |